Meine To-do-Liste dreht durch. Ich (fast) auch. Und trotzdem: ich liebe das hier.

Ich sitze hier mit einer To-do-Liste, die mittlerweile länger ist als mancher Trainingsplan, den ich je geschrieben hab. Lieferantengespräche, Matten bestellen, Kursplan finalisieren, Insta-Content vorbereiten, Steuerberaterin anrufen, Spiegel fixen, nochmal mit dem Elektriker telefonieren, weil irgendwas mit der Beleuchtung nicht passt und Boden- HAAAACH der Boden. Und mittendrin: ich und mein Frühstück, weil wichtigste Tag am Mahlzeit, um 14:00.

Der Punkt, an dem man anfängt zu lachen, weil Weinen zu anstrengend ist

Ich hab in meinem alten Job gelernt, Projekte zu managen. Zeitpläne, Meilensteine, Ressourcenplanung – ich dachte, ich bin darauf vorbereitet. Was mir keiner gesagt hat: Ein eigenes Studio aufzubauen ist kein Projekt mit einem Enddatum. Es ist eine Liste, die sich selbst vermehrt. Du hakst einen Punkt ab, und drei neue tauchen auf, wie so eine Hydra, nur mit Rechnungen statt Köpfen.

Es gab letzte Woche einen Moment, in dem ich vor meinem Laptop saß, 412! Tabs offen, alle wichtig, alle „dringend“, und ich hab einfach angefangen zu lachen. Nicht, weil’s lustig war. Sondern weil die Alternative Weinen gewesen wäre, und dafür hatte ich ehrlich gesagt keine Zeit.

Warum ich trotzdem nicht tauschen würde

Und jetzt kommt der Teil, den ich nicht weglassen will, so unbequem er manchmal neben dem Chaos wirkt: Ich hab noch nie in meinem Leben so viel Freude an etwas gehabt, das mich gleichzeitig komplett überfordert. Jedes Mal, wenn ich die Laudongasse betrete, auch wenn gerade noch Kabel aus der Wand hängen und Farbeimer rumstehen, spür ich dieses kribbelige „Das wird wirklich real“-Gefühl. Das hatte ich in zehn Jahren Konzern kein einziges Mal, egal wie erfolgreich ein Quartal war.

Chaos und Freude schließen sich für mich gerade überhaupt nicht aus. Sie wohnen im Moment einfach in derselben Wohnung, WG-mäßig, manchmal ziemlich lautstark.

Was auf meiner Liste steht, ganz ungefiltert

Nur damit ihr eine Ahnung habt, wie das aktuell aussieht:

  • Finale Freigabe für die Matten, Merchs und alles weitere (Un-)Wichtige ;)

  • Kursplan steht, jetzt geht´s auch ans Befüllen, deswegen heißt es Werbung, Werbung, Werbung

  • Instagram-Content für die nächsten drei Wochen vorbereiten, bevor der Trubel losgeht

  • Newsletter- Anmeldung und Content festlegen

  • Meinem Mann erklären, warum ich schon wieder am Sonntag „nur kurz“ arbeiten muss

Manche Punkte sind wichtig. Manche sind vermutlich völlig übertrieben dringend in meinem Kopf. Beides gehört gerade dazu.

Ein ehrlicher Gedanke zum Schluss

Ich erzähl euch das nicht, damit ihr Mitleid habt. Ich erzähl’s, weil ich glaube, dass wir Gründerinnen-Geschichten oft nur in zwei Versionen hören: entweder die durchgestylte „Ich hab alles im Griff“-Variante, oder die komplett ausgebrannte „selbstständig heißt selbst und ständig“-Variante. Meine Realität gerade ist beides gleichzeitig, nur eben nicht im Gleichgewicht, sondern im ständigen Wechsel. Manchmal im selben Atemzug.

Wenn ihr also hier reinschaut und noch irgendwo ein Kabel offen liegt oder ich mit Farbe an der Hose in einer Story auftauche – das ist keine Ausnahme. Das ist gerade einfach mein September.

Wie sieht’s bei dir aus – bist du gerade auch mitten in einem Chaos, das du trotzdem nicht missen willst? Erzähl’s mir gern.

Sedef

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Unternehmerin oder Influencerin? Ich hab entschieden, dass diese Frage auch meinen Mann was angeht.

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