Qualität vs. Quantität: warum statt 50 lieber 12 Matten

Ich hätte es einfacher haben können. Ehrlich. Ein größeres Studio, mehr Matten, mehr Slots, mehr Umsatz pro Quadratmeter – ich hab zehn Jahre im Vertrieb gearbeitet, ich kann Kapazitätsplanung im Schlaf. Jede Tabelle, die ich für sculpt. durchgerechnet habe, hat mir dasselbe gesagt: Mehr Matten heißt mehr Geld. Simpel.

Und trotzdem sind es bei mir in der Laudongasse zwölf.

Die Excel-Stimme in meinem Kopf

Ich muss zugeben, die alte Sales-Sedef hat ziemlich lange dagegen angekämpft. Zwölf Matten bedeuten eine Deckelung, die jede vernünftige Wachstumsstrategie eigentlich verbietet. Ich hab Business Cases gebaut, die mir schwarz auf weiß gezeigt haben, wie viel profitabler 30 oder 40 Plätze wären. Ich kenn die Zahlen. Ich hab sie nicht ignoriert, ich hab sie bewusst gegen etwas anderes abgewogen.

Denn ich hab in zehn Jahren Konzern auch gelernt, wie sich Räume anfühlen, in denen du nur eine Nummer bist. Ein Kundenaccount unter hundert anderen. Ein Name in einer Pipeline. Aber ich wollte nicht, dass sich mein eigenes Studio irgendwann genauso anfühlt für die Frauen, die zu mir kommen.

Was bei zwölf Menschen tatsächlich passiert

Bei zwölf Matten sehe ich noch, wenn jemand heute schlecht geschlafen hat. Ich sehe, wenn ein Knie komisch reagiert, bevor es zum Problem wird. Ich kenn die Namen, nicht nur die Buchungsnummer. Das ist kein Marketing-Claim, das ist einfach das, was bei mehr Menschen im Raum physisch nicht mehr möglich ist – ich kann nicht gleichzeitig 40 Körper lesen. Niemand kann das, egal wie gut die Ausbildung und tiefgehend der Erfahrungsschatz ist.

Und genau das war für mich am Ende der Punkt, an dem die Excel-Tabelle verloren hat. Ich will kein Studio bauen, das gut skaliert. Ich will eins bauen, in dem ich als Trainerin noch wirklich da bin, wenn jemand mich braucht.

Der unbequeme Teil

Zwölf Matten heißt auch: weniger Umsatz als möglich wäre. Das ist keine romantische Fußnote, das ist eine finanzielle Entscheidung, die ich bewusst getroffen habe, wohlwissend, dass sie meinen Break-even später erreichbar macht, als es mit einem größeren Studio der Fall wäre. Ich sag das nicht, um mir selbst auf die Schulter zu klopfen. Ich sag das, weil ich glaube, dass genau diese Ehrlichkeit fehlt, wenn Gründerinnen ihre Studios präsentieren – als wäre jede Entscheidung nur Herzblut, nie Kalkulation.

Bei mir war's beides. Kopf und Bauch, in dieser Reihenfolge sogar, bis der Bauch am Ende gewonnen hat.

Was das für dich heißt, wenn du ins Studio kommst

Kein Studio, in dem du im Spiegel eine von fünfzig bist. Ein Raum, in dem ich merke, ob du heute Kraft brauchst oder Ruhe. Dieser Teil ist bei mir in den Klassen nicht verhandelbar.

Wärst du bereit, für mehr Nähe auf ein größeres Studio zu verzichten – oder wählst du eher das Gegenteil? Schreib's mir gern in die Kommentare, mich interessiert eure Meinung brennend :).

Sedef

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