Mein Zyklus, mein Training, meine Regeln

Es gab eine Zeit in meinem Leben, da hab ich trainiert wie ein Mann. Nicht körperlich – zeitlich. Montag Beine, Mittwoch Push, Freitag Pull, dazwischen laufen, cycling und Pilates und wehe, der Plan wurde nicht eingehalten. Mein Kalender kannte Feiertage, Meetings und Deadlines. Meinen Zyklus kannte er nicht.

Und ich auch nicht wirklich, wenn ich ehrlich bin.

Der Moment, in dem's klick gemacht hat

Ich war die klassische "Ich zieh das durch"-Trainierende. Periode? Augen zu und durch, notfalls mit Schmerztablette und Trotzkopf. Dass mein Körper an manchen Tagen einfach andere Bedürfnisse hat als an anderen, kam mir nie in den Sinn – ich hab das eher als Charakterschwäche abgetan, wenn ich mal keine Lust auf Sprints hatte. Klassisches Corporate-Girlie-Denken: Wenn der Körper nicht mitspielt, ist er das Problem, nicht der Plan.

Bis ich anfing, wirklich hinzuhören. Nicht auf eine App, die mir sagt, wann ich fruchtbar bin (auch wenn ich davon inzwischen genug getestet habe, dazu vielleicht ein andermal mehr). Sondern auf das, was mein Körper mir die ganze Zeit schon erzählt hat, während ich beim Training weggehört habe.

Was ich gelernt habe – kurz und ohne Bio-Vorlesung

Ich bin keine Ärztin, keine Zyklusexpertin, nur eine Frau, die zugehört hat. Grob gesagt durchläuft der Körper im Zyklus verschiedene hormonelle Phasen, die sich auf Energie, Kraft und Erholungsfähigkeit auswirken:

  • In der ersten Zyklushälfte (nach der Blutung, bis zum Eisprung) steigt Östrogen an – viele Frauen fühlen sich hier leistungsfähiger, die Regenerationsfähigkeit ist oft besser. Guter Zeitpunkt für intensiveres Krafttraining.

  • Rund um den Eisprung ist bei vielen nochmal ein Energiehoch spürbar – aber auch die Gelenke sind in dieser Phase durch die Hormonlage anfälliger. Kein Freifahrtschein für Maximalgewichte ohne Aufwärmen.

  • In der zweiten Zyklushälfte (nach dem Eisprung) übernimmt Progesteron – die Energie sinkt bei vielen Frauen spürbar, der Körper braucht tendenziell mehr Erholung.

  • Während der Blutung ist bei manchen Frauen weiterhin volle Power drin, bei anderen eher nicht – und beides ist okay.

Wichtig: Das ist keine Checkliste, die für jeden Körper gleich gilt. Es ist eine Einladung, genauer hinzuschauen, statt stur einem Plan zu folgen, der so tut, als hätten wir alle 24/7 dieselbe Energie.

Ganz praktisch gedacht (und genau so hab ich auch unsere Formate bei sculpt gebaut): Das Schöne an signature sculpt, strength und burn ist, dass sich diese Formate an deinen Zyklus anpassen lassen, statt dich an sie anzupassen. Sculpt lädt dich dazu sein, mit leichten Gewichten und kleinen Props zu arbeiten. Not in the mood? Drop it, nimm einen Block oder einen Ball stattdessen. Strength bedeutet nicht Kraftaufbau und Muscle Fatigue um jeden Preis. Höre auf deinen Körper und arbeite nicht gegen ihn. Deine Periode steht vor der Tür? Arbeite mit leichteren Gewichten, dein Körper arbeitet bereits auf Hochtouren! Bei Burn heißt das runter vom Ball oder Block und / oder Gewichtkomplett weglassen. Wichtig ist nicht, das Format zu wechseln, sondern innerhalb des Formats auf den Körper zu hören – Instinkt statt Durchpushen. Lass uns gern wissen wo der Schuh drückt und was du für diese Einheit brauchst.

Warum mich das wütend gemacht hat

Ehrlich gesagt: Als ich das alles verstanden habe, war meine erste Reaktion nicht Erleichterung, sondern Wut. Warum hat mir das niemand früher erklärt? Nicht in der Schule, nicht im Fitnessstudio, nicht mal bei meiner Gynäkologin, außer man hat explizit danach gefragt. Wir werden mit Trainingsplänen sozialisiert, die im Grunde für einen Körper ohne Zyklus entworfen wurden – und wundern uns dann, warum wir uns selbst für schwach halten, wenn wir an manchen Tagen einfach nicht können.

Das ist für mich am Ende auch eine feministische Frage. Nicht nur, wie wir trainieren, sondern wessen Körper als Norm gilt, wenn Trainingspläne entworfen werden.

Was das mit sculpt zu tun hat

Genau das ist einer der Gründe, warum ich sculpt so aufbaue, wie ich es tue – und warum unsere Signatures nicht starr sind, sondern mitgehen können. Kleine Gruppen bedeuten, dass ich als Trainerin tatsächlich sehe, wer heute Kraftreserven hat und wer eher Stabilität und Kontrolle braucht statt Tempo – und dass wir gemeinsam anpassen können, ohne dass du dafür das Format wechseln musst. Es geht nicht darum, jeden Tag an die Grenze zu gehen. Es geht darum, an den richtigen Tagen an die Grenze zu gehen – und an anderen Tagen genauso viel Respekt für den Rückzug zu haben wie für die Leistung.

Ein Gedanke zum Mitnehmen

Du musst deinen Zyklus nicht bis ins letzte Detail tracken, um von dieser Perspektive zu profitieren. Es reicht oft schon, sich eine einzige Frage vor dem Training zu stellen: Will ich heute gegen meinen Körper trainieren – oder mit ihm?

Ich hab lange genug gegen meinen trainiert. Auf der Matte trainiere ich inzwischen mit ihm. Und ja, an manchen Tagen heißt das immer noch: volle Kanne. An anderen heißt es: langsam, aber trotzdem da sein. Beides zählt.

Wie ist das bei dir – hörst du auf deinen Zyklus beim Training, oder ziehst du bisher eher durch wie ich früher?

Wenn du das lieber nicht allein für dich rausfinden willst: Schreib uns gerne hier eine Nachricht oder schau bei uns auf Instagram vorbei – und wir finden's gemeinsam auf der Matte heraus!

Sedef

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Qualität vs. Quantität: warum statt 50 lieber 12 Matten

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Vom Coporate Girlie zur Pilates Princess (auf Umwegen)